European Championship 2019 - Riva / ITA - Day 1

Bei bedecktem Himmel begann gestern auf dem Gardasee die EM der Starboote, die gleichzeitig auch als Grand Slam für die Weltrangliste der Star Sailors League zählt. Es konnten 2 Läufe gesegelt werden, die Routiniers setzten sich an die Spitze: Gleich die ersten 8 Ränge werden von ehemaligen Weltmeistern gehalten ! Es führen Robert Scheidt/Henry Boenning BRA vor Paul Cayard/Artur Lopes USA und Mateusz Kusznierewicz POLO/Fernando Melo POR. Merkelbach/Koy GER sind als beste Deutsche 16., Urs Hunkeler SUI/Andreas Hanakamp AUT folgen als beste der drei Schweizer Teams auf Rang 44.

 

  • Tom Lofstedt/Anders Ekstrom kollidierten mit Gugliemo Danelon/Mattia Gazzetta
    Tom Lofstedt/Anders Ekstrom kollidierten mit Gugliemo Danelon/Mattia Gazzetta
  • Diego Negri / Kleen Top und Flop (Rang 1 und eun UFD)
  • BRA 8172 -Skipper: Robert Scheidt und Crew Henry Boening

Der Eröffnungstag des Starboot Europameisterschaft 2019, erstmals in Kombination mit einem Star Sailors League Breeze Grand Slam brachte gestern einen spektakulären Wetterwechsel mit sich: Der bei der Trainingsregatta am Vortag noch strahlend blaue Himmel verdunkelte sich zum Auftakt der Regatta. Über dem italienischen Traumrevier des Gardasees zogen Wolken auf, die wie Vorboten der packenden Rennszenen wirkten, die sich in den beiden Wettfahrten des Tages abspielen sollten, in denen neben vielen weiteren Stars acht Starboot-Weltmeister mit ihren goldenen Sternen im Segel ihre Kunst zeigten.

Nach den flauen Winden am Vormittag setzte der so verlässliche wie klassische Gardasee-Wind Ora früher ein als gewöhnlich und schickte eine frische Brise von 20 Knoten und mehr in den Hafen von Riva del Garda. Entsprechend respektvoll im Umgang mit dem kalten Wind, bewegte sich die gut 90 Starboote am Mittag auf den Gardasee hinaus, der die Segler mit anspruchsvollen Bedingungen erwartete.

Dort angekommen, erlebten sie ein etwas anderes Szenario. Denn weil der Ora wie durch einen Trichter über den Gardasee fegt, Riva del Garda aber an seinem nördlichsten Ufer liegt, wirkten die Winde draußen an der Startlinie etwas moderater als noch im Hafen. Dennoch war Seglern wie Beobachtern klar, dass es mit Winden von zunächst 17 bis 19 Knoten zwei fordernde Wettfahrten werden würden.

Bericht zum Race 1
Wenige Minuten vor dem Startschuss zum ersten Rennen hatten viele Starter bereits die rechte Seite des Kurses als bevorzugt ausgemacht. Entsprechend versammelte sich die Mehrheit der Crews am Startboot, wo sie um gute Ausgangspositionen rangen.  Im Bemühen um eine freie Bahn kämpften die Crews um Raum. Und auch darum, als erste bei den Felsen auf der rechten Kursseite wenden zu können, weil hier der Druck am besten war.

Noch am Morgen waren einige der bekannten Segler bei der Pressekonferenz nach ihrem Siegertipp für diese Regatta gefragt worden. Alle hatten bescheidene Töne angeschlagen, die Regattaorganisation gelobt und unterstrichen, dass es viele Favoriten für dieses Gipfeltreffen gäbe. Paul Cayard, als siebenmaliger America’s-Cup-Teilnehmer und Starboot-Weltmeister einer der Co-Favoriten für diese Woche, sagte: „Ich bin einfach nur glücklich hier zu sein und ein Starboot segeln zu dürfen.“ Das sei für ihn schon wie Gewinnen.

Cayards Start in die erste Wettfahrt allerdings ließ darauf schließen, dass der Amerikaner doch deutlich ehrgeiziger ans Werk gehen würde als es seine freundlichen Worte bei der Pressekonferenz signalisiert hatten. Mit seinem Vorschoter Arthur Lopez gelang ihm das Timing im Start so perfekt, dass er die Startlinie mit dem Startschuss und in optimaler Geschwindigkeit kreuzte. Dabei blieb sogar genügend Raum zur schnellen Wende auf die bevorzugte Seite des Kurses.

Mit starken Starts kamen auch der italienische Co-Favorit Diego Negri mit seinem Berliner Vorschoter Frithjof Kleen und Negris Landsmann Roberto Benamati mit Alberto Ambrosini ins Rennen. Auch sie hatten die Startboot-Seite der Linie gewählt und kamen gut ins Rennen, konnten mit der Spitzengruppe ungestört Kurs auf die Felsen nehmen, in die sich außerdem der fünfmalige olympische Medaillengewinner Robert Scheidt und sein Vorschoter Henry Boening einreihten.

Wenn der Ora auf dem Gardasee heftig bläst – nicht ohne Grund wurde das Segel-Traumrevier für den SSL Breeze Grand Slam ausgewählt – dann kann es bei Regatten leicht zum sogenannten „Einbahnstraßen“-Segeln kommen, bei denen es vor allem um Bootsgeschwindig-keit geht. Die Kunst besteht dann darin, auf den langen Kursabschnitten die Anlegelinie rechtzeitig und richtig auszumachen und keine Plätze zu verschenken, indem man zu weit zu segelt und sie übersteht. 

Robert Scheidt ist in der Segelwelt bekannt für seine Superkräfte auf starkwindigen Vorwind-Abschnitten. Während sich am Himmel über Riva del Garda mehr und mehr Licht zeigte und der Wind etwas nachließ, gab der Brasilianer eine weitere Kostprobe seines Könnens und arbeitete sich bis zur nächsten Wendemarke auf Rang drei vor. Während Negri im weiteren Verlauf des Rennens seine Führung verteidigte und souverän mit Frithjof Kleen ins Ziel brachte, rückte Scheidt Cayards Heck immer näher, kam aber am Amerikaner nicht vorbei. Im Ziel trennten die die beiden Rivalen nur zwei Sekunden. 

Die TOP 5 im Ziel: Diego Negri ITA, Paul Cayard USA,  Robert Scheidt BRA, Mateusz Kusznierewicz POL, Roberto Benamati ITA. -> George Szabo Rang 43

Bericht zum Race 2
Eine lange Pause war den Starboot-Seglern bis zum zweiten Rennen des Tages nicht vergönnt. Inzwischen hatte sich der Wind auf zehn bis 14 Knoten beruhigt. Der Startschuss für den zweiten Durchgang des Tages fiel um 15 Uhr. Und pünktlich hatte sich auch die Sonne ihren Weg durch den wolkenverhangenen Himmel gebahnt. Diego Negri und Frithjof Kleen hatten davon wenig, denn sie konnten das Rennen in Folge eines Frühstarts nicht bestreiten und dürfen erst am Donnerstag wieder angreifen. „Das war zu viel Risiko unsererseits“, sagte Kleen, „da hätten wir heute nach dem Sieg besser noch ein Top-Fünf-Ergebnis mitnehmen müssen.“

Wieder war es Paul Cayard, dem auch im zweiten Rennen in ganz ähnlicher Position wie zuvor mit guter Geschwindigkeit ein perfekter Start gelang – eine Demonstration seiner im America’s Cup erworbenen Fähigkeiten. Obwohl die Winde nun moderater waren und der Trichtereffekt bei den Felswänden deutlich reduziert, rangen die Crews erneut um die immer noch bevorzugte rechte Kursseite. Weil die Luvtonne für dieses Rennen verschoben worden war, ging es für die Boote in kurzen Wenden im Zickzack-Kurs am Ufer entlang, wo jede Menge „Raum!“-Rufe als Echo von den hohen Felswänden zurückkamen. Einer dazugehörigen „Backbord-Steuerbord-Vorfälle“ kam die Beteiligten unglücklicherweise teuer zu stehen. Tom Lofstedt/Anders Ekstrom kollidierten mit Gugliemo Danelon/Mattia Gazzetta. Letztere verloren dabei ihr Rigg, was bei Starbooten auf Vorwind-Abschnitten in stärkeren Winden immer wieder einmal zu beobachten ist.

Auch das zweite Rennen spitzte sich zu einem Duell zwischen Robert Scheidt und Paul Cayard zu. Dieses Mal waren es aber zunächst der polnische Doppel-Olympiasieger Mateusz Kusznierwicz und sein Vorschoter Frederico Melo, die das Feld auf dem Weg zur ersten Luvtonne anführten. Wieder spielte danach Scheidt seine Vorwind-Qualitäten aus und holte mit intensiver Arbeit die maximale Geschwindigkeit aus seinem Starboot heraus. Dabei blieben die taktischen Optionen jedoch limitiert, weil fast der gesamte Vorwind-Abschnitt auf Steuerbordbug bestritten wurde. 

Will man diesem Auftakt und den ersten beiden Rennen des SSL Breeze Grand Slams in Kombination mit der Starboot Europameisterschaft eine Überschrift geben, müsste sie beinhalten, dass Paul Cayard einen sehr starken Eindruck auf den Amwind-Abschnitten hinterlassen hat, während Robert Scheidt das Maß der Dinge auf den Vorwind-Abschnitten war. Vor diesem Hintergrund war es keine Überraschung, dass der Amerikaner die letzte Luvmarke des Tages erneut in führender Position rundete, Scheidt ihm aber dicht auf den Fersen war. Und mit ihm machte ein weiterer Amerikaner Druck: Eric Doyle und sein Vorschoter Payson Infelise hatten sich in die Top Drei vorgearbeitet. „Auf dem letzten Vorwind-Abschnitt haben wir alle drei früh gehalst. Ich ging nach links, weil ich die Seite verteidigen wollte“, erklärte Cayard nach dem Zieldurchgang. „Doch Robert Scheidt und Eric Doyle hatten etwas mehr Druck als wir und sind einfach um uns herumgesegelt.“ So gewann der Brasilianer das zweite Rennen und konnte seinem dritten Rang aus dem ersten Durchgang einen Sieg hinzufügen. Doyle kreuzte die Ziellinie als Zweiter vor Paul Cayard.

Die TOP 5 im Ziel: Robert Scheidt BRA, Eric Doyle, Paul Cayard USA,  Mateusz Kusznierewicz POL, Marin Misura KRO, bestes SUI Star Team Urs Hunkeler SUI/Andreas Hanakamp AUT auf dem guten 31. Rang.
-> Roberto Benamati ITA. Rang 49 und Diego Negri ITA Frühstart.

„Das war ein ziemlich erfolgreicher Tag für uns“, sagte Cayard nach seiner Rückkehr in den Hafen von Riva del Garda. „Wir waren wirklich sehr zufrieden mit unserem Start im ersten Rennen. Und es war toll, dass uns das im zweiten Rennen erneut gelungen ist. Der Gardasee kann in manchen Bedingungen ein bisschen einseitig sein. Dann musst du wirklich um deine Wunschposition kämpfen. Weiter sagte Cayard: „Robert Scheidt ist einer der großartigsten Vorwind-Spezialisten der Welt. Aber ich habe das Gefühl, dass wir heute genügend ausgepackt haben, um ihm Paroli bieten zu können. Ich war auf den Amwind-Abschnitten immer stark. Mit unserer Geschwindigkeit sind wir also zufrieden. Wir werden sehen, was der Rest der Woche für uns bereithält.“

Ein erster Tag reicht sicher nicht um schon verbindliche Schlussfolgerungen ziehen zu können. Doch Cayard und Scheidt scheinen gut in Form zu sein. Andererseits haben sich einige Starter in der großen Flotte bereits belastend hohe Punktzahlen eingefangen. Dabei kann schon ein Fehltritt bei der Vielzahl der Starter das Aus im Kampf um den Einzug in die Finalrunden mit den besten zehn Crews und den geplatzten Traum vom EM-Titel und dem Sieg im Star Sailors League Breeze Grand Slam bedeuten.

Hier der Link zur Rangliste auf der SSL Webseite
und die TOP 10 auf einen Blick

PLNat.SkipperCrewR 1R 2Pkt.
1BRARobert ScheidtHenry Boening314
2USAPaul CayardArthur Lopes235
3POLMateusz KusznierewiczFrederico Melo448
4USAEric DoylePayson Infelise9211
5SWEFredrik LööfBrian Fatih11617
6FRAXavier RohartPierre-Alexis Ponsot71017
7NOREivind MellebyJoshua Revkin61420
8USAAugie DiazBruno Prada101323
9RUSAlexey ZhivotovskiyLev Shnyr18927
10GBRAnte RazmilovicBrian Hammersley25732

Weitere Informationen, Fotos, Videos und die Ergebnisse finden Sie hier:
https://starclass.org/
http://www.starsailors.com/

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Welcome to the 63rd Nice Christmas regatta
Entry fee : 200€ until 2nd dec (250€ after this date)


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